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Belarusian pagan ritual songs and Swiss jazz
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Die Entstehung von Kazalpin

Tagebuch der ersten Minsk-Reise von Brun und Käppeli

Die Entstehung von Kazalpin:

"KAZALPIN"

Das Projekt "KAZALPIN" ist die Begegnung der 3 belarussischen Sängerinnen von "Akana" mit den 4 Schweizer Jazzmusikern vom Albin Brun Alpin Ensemble. In diesem interkulturellen Austausch verschmelzen archaische Gesänge aus vorchristlicher Zeit mit der „imaginären Folklore“ der Instrumentalisten zu zeitaktuellen Kompositionen.

Die Geschichte des Projekts

Initiiert wurde das Projekt von Madeleine Rey (Kulturkontakt Aargau-Belarus). Im September 2009 weilten Marco Käppeli und Albin Brun für 5 Tage in der belarussischen Hauptstadt Minsk, um geeignete Frauenstimmen für eine Kooperation auszuwählen. Mit der Gruppe „Akana“ haben sie schließlich eine ideale Formation gefunden, welche bereits viele Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Jazzmusikern gesammelt hat. Auch menschlich verstand man sich auf Anhieb gut – beste Voraussetzungen also für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. 

Die 3 Sängerinnen von Akana kamen schließlich im Dezember 2009 für erste Proben in die Schweiz. Unterdessen hatte sich das Alpin Ensemble intensiv auf diese erste musikalische Begegnung vorbereitet. Albin Brun und Patricia Draeger schrieben anhand von Aufnahmen und handschriftlichen Skizzen, die sie von „Akana“ erhalten haben, die Arrangements von Irena Kotvitskaja auf Noten und verbanden sie mit den Kompositionen von Brun. Nach diesen ersten vielversprechenden Proben wurden die Partituren weiter bearbeitet, so daß die Musiker bestens vorbereitet waren, als die eigentliche Zusammenarbeit vom 26. Februar bis 15. März 2010 stattfand. 

So wurden dann die beiden Konzerte – die Premiere am 13.4.2010 in der Alten Kirche Boswil und tags darauf der Auftritt beim Gong-Festival im Kunst- und Kongresshaus Aarau - sowohl für die Beteiligten wie für die Zuhörer zu einem eindrücklichen Erlebnis. Sofort war allen klar, daß diese gelungene Zusammenarbeit fortgesetzt werden mußte. 

Das nächste Kapitel wurde im November 2010 geschrieben, als "KAZALPIN" 5 Konzerte in der Schweiz gab, um dann nach 3-tägigen CD-Aufnahmen im Hardstudio Winterthur (eine Co-Produktion mit Radio DRS 2) die Tournee mit 5 Konzerten in Belarus (Vitebsk, Grodno, Minsk, Brest) abzuschliessen.

Für diese Tour wurde das Programm überarbeitet, es kamen neue Stücke und Arrangements hinzu. Die Konzerte in der Schweiz und in Belarus waren ein überwältigender Erfolg, das Publikum reagierte begeistert. So  wird die Geschichte 2011 also fortgesetzt, die CD wird im Frühling erscheinen und es sind Tourneen in Kasachstan, Ukraine, Schweiz, Belarus und Rußland geplant.

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Tagebuch der ersten Minsk-Reise von Brun und Käppeli

 

Reise nach Minsk, Belarus  28.9.-2.10.2009
Marco Käppeli und Albin Brun

Mo, 28.9.

Flug Zürich - Prag, Prag - Minsk

Leonid und Dimitri holen uns am Flughafen ab. Leonid ist der einheimische Kontaktmann der Organisation „Kulturkontakt Aargau–Belarus“, unter deren Schirmherrschaft das geplante Projekt stattfinden wird. Dimitri ist ein bekannter Musik-journalist, der für verschiedene Zeitungen und fürs Fernsehen arbeitet. Er kennt die Musikszene im ganzen Land bestens und hat auch alle Gruppen ausgesucht, die wir im Verlauf der nächsten Tage besuchen werden. Die beiden fahren uns zum Hotel „Belarus“ im Zentrum von Minsk und drücken uns unterwegs ein Blatt mit dem Titel „UNZER PLAN“ in die Hand – darauf ist das ganze Programm der kommenden 5 Tage notiert. Das Ziel der Reise besteht darin, ein geeignetes Frauen-Vokalensemble mit max. 5 Stimmen zu suchen, um im Frühling 2010 ein gemeinsames Projekt zusammen mit unserem „Albin Brun Alpin Ensemble“ in der Schweiz zu realisieren. Später soll dann auch eine Tour in Weißrußland stattfinden.

Nach einem kurzen Spaziergang im Park vor dem Hotel (u.a. mit einem Sperrholz-Matterhorn) und ein paar kleineren Problemen (Geldwechseln, Warten aufs Essen im Panorama-Restaurant) holt uns Dimitri ab und bringt uns zum Konzert der Gruppe „Pesnyary“ (sie werden auch „die weissrussischen Beatles“ genannt). Nach ungefähr der Hälfte des Konzertes schleichen wir aus dem mit knapp 3000 Leuten ausverkauften Kultur-Palast. Statt an die Beatles erinnert uns die Gruppe eher an eine aufgemotzte Version von „Peter, Sue & Marc“.

Wir nehmen ein Taxi und fahren zu der Adresse, die uns Dimitri auf einen Zettel gekritzelt hat. Im spärlich beleuchteten Wohnquartier finden wir dann mit Hilfe des Taxifahrers den Proberaum der Gruppe „Akana“. Hier, im Büro eines Videofilmers spielen uns die 3 Sängerinnen und 4 Instrumentalisten (as, key, b, perc) unter engsten Platzverhältnissen einige Songs vor. Sie singen diese alten heidnischen Lieder, die unter die Haut gehen und ein bisschen an „Les mystères de voix bulgares“ erinnern, stellen sie aber zum Teil in einen Jazz-Kontext, wo die Sängerinnen auch mal eine Riff-Funktion übernehmen. Die Mitglieder des Ensembles sind grösstenteils sehr jung – der Saxophonist ist gerade mal 18-jährig. Sie legen sich gewaltig ins Zeug und geben alles – wie alle Formationen, die wir im Laufe unseres Aufenthaltes hören werden. Anschliessend erklären wir Rusia – sie versteht als einzige englisch – worum es geht. Dann mit dem Taxi zurück ins Hotel und nach dem Security-Check im Westworld-Club endlich ein Gutenacht-Bier.

 

Di, 29.9

Es ist kühl und regnerisch. Dimitri holt uns ab. Wir fahren mit der Metro zur wissenschaftlichen Akademie, wo es einen CD-Laden mit belarussischer Musik und billigen Raubkopien (umgerechnet ca Fr. 3.- pro CD)  von World-, Jazz- und Popmusik hat. Alles täuschend echt, ausser vielleicht die DVD mit dem Titel: The Swing of LOUISE ARMSTRONG...) Hier treffen wir auch unsere Dolmetscherin Alena. Dimitri empfiehlt eine grosse Anzahl CDs mit einheimischer Musik und legt sie auf einen Stapel. Anschliessend hören wir sie uns an und kaufen die interessantesten, sowie auch ein paar Jazz-CDs. Zum Essen im „Lido“ probieren wir die Spezialität Draniki. Dann Fahrt zur pädagogischen Hochschule, wo uns Ivan Kircuk und Jury Pavlovski vom Trio „Troitsa“ erwarten. Es folgt eine Art Vortrag über die belarussische Volksmusik samt Instrumenten-demonstration, Gesangseinlagen und kurzem Videoausschnitt mit alten Weihnachts- und Hochzeitsbräuchen, Ivan sieht mit seinen langen weißen Haaren und dem Vollbart aus wie der weissrussische Hermeto Pascoal, Dimitri nennt ihn „The Wizard“. Der Proberaum gleicht einem kleinen Museum, an den Wänden hängen zahlreiche Handpuppen, Trachten und Instrumente.

Wir steigen wieder ins Auto, und ich gebe Dimitri und Leonid je eine CD „4“ der „Interkantonalen Blasabfuhr“ – mit dieser Gruppe haben wir im September 1997, also vor genau 12 Jahren – eine Konzerttour durch Belarus gemacht. Im Anschluß daran habe ich das Stück „Minsk“ komponiert, welches diese CD eröffnet. Als jetzt Leonid die CD in den Player seines Autos schiebt, fahren wir also durch Minsk und hören „Minsk“ – ein schönes, unverhofftes Erlebnis.

Der nächste Halt ist einem Kulturhaus, wo die Gruppe „Tsernitsa“ probt. Volkstänze und Power-Gesang, begleitet von einem kleinen Instrumentalensemble, der Leiter spielt selber am Akkordeon. Sehr traditionell, aber kraftvoll und beseelt.

Dann geht es direkt weiter zur Probe vom A-Capella-Ensemble „Guda“ im Büro einer Kulturinstitution. Sie singen ein paar Lieder, wunderschöne alte heidnische Gesänge, und wir zeigen ein paar Ausschnitte aus unserer Konzert-DVD. „Guda“ scheinen ein bisschen irritiert über unsere „komplizierte“ Musik und können sich noch nicht so recht vorstellen, wie eine Zusammenarbeit aussehen könnte. Aber auch diese Gruppe ist wie alle andern auch sehr an einer Kooperation interessiert.

Zurück ins Hotel, spätes Nachtessen (Schaschlik) im Panorama-PECTOPAH und anschliessend ein Gläschen Wodka. Wir sind schliesslich in Weissrussland.

 

Mi, 30.9.

Treffpunkt Philharmonie. Die Sonne scheint, aber es ist kalt und windig. Wir gehen zu Fuss, via weisse Kirche, wo ein orthodoxer Gottesdienst stattfindet, der gut besucht ist von zahlreichen älteren Frauen mit Kopftüchern, die sich immer wieder bekreuzigen. Einzelne von ihnen küssen die goldgerahmten Ikonen oder zünden Kerzen an. In der Philharmonie wohnen wir einer Probe der Tanzabteilung des staatlichen Volksmusikensembles „Khoroshki“ bei – das Stück heisst „Winter“ - und besichtigen einen Teil des riesigen Kostüm-Fundus (insgesamt sollen es etwa 9000 massgeschneiderte Stücke sein). Anschliessend steht ein Gespräch mit dem Manager auf dem Programm (er ist gekleidet in Nadelstreifenanzug und Krawatte, was eigentlich schon alles sagt. Dimitri spricht im Zusammenhang mit „Khoroshki“ von „Maschine“. Das Ensemble scheint wirklich über unbegrenzte Mittel zu verfügen.) Wir nehmen die Hochglanz-Prospekte entgegen und händigen wie bei jeder Gruppe eine grosse Tafel Toblerone aus, um dann zum Proberaum der professionellen Gruppe „Kupalinka“ im selben Gebäude zu gehen. Hier erwartet uns eine überdrehte Powershow, absolut perfekt und virtuos dargeboten. Jede Stimme, jedes Instrument ist mit Funk-Mic verstärkt. Auf höchstem Energie-Level lassen sie ihr Musiktheater vom Stapel, voll kostümiert und geschminkt, und es tut uns vom ersten Ton an ein bisschen leid, dass eine Zusammenarbeit nicht in Frage kommt, obwohl sie sich dermassen ins Zeug legen.

Es ist höchst interessant, innerhalb weniger Tage in solch hochkonzentrierter Dosis verschiedenste Formationen zu hören, die sich alle auf ihre Weise mit der Tradition befassen. Sei es so authentisch, dass z.B. gewisse Lieder nur an den dafür vorgesehenen Tagen gesungen werden (Guda), sei es in Form einer minutiös choreografierten Show (Kupalinka) oder in Verschmelzung mit jazzigen Improvisationen (Akana), schlussendlich hat jeder Ansatz seine Berechtigung und am Ende überzeugt jede Gruppe mit professioneller Qualität und kraftvoller Präsenz.

Nach der Performance von Kupalinka fahren wir aufs Land, wir besuchen Ales Los, der ca. 60 km ausserhalb von Minsk wohnt. Er ist Instrumentenbauer und wir wollen bei ihm eine Shaleyka kaufen, eine Art Schalmei mit einem Kuhhorn. Der Weg zu ihm führt über einen lehmigen, hügeligen Waldweg, der keinen Zweifel daran lässt, dass wir irgendwo eine falsche Abzweigung erwischt haben. Wir sind aber richtig, denn nach einer langen Fahrt durch dichten Wald erreichen wir plötzlich eine Lichtung, wo ein paar Hütten stehen. Ales zeigt uns seine Werkstatt, demonstriert einen Dudelsack und eine Geige und führt uns durch sein Haus, das er selber ausbaut. Er lebt hier wie ein Einsiedler, weit weg von jedem Dorf. Sein Essen jagt er meist selber - Wildschweine, Gänse usw. - und er zeigt uns, wie er mit einer Pfeife „Wildhühner“ anlockt. Wir sind beeindruckt von diesem einfachen Leben mitten in der Natur, unweigerlich kommt einem das Buch “Walden“ von Henry David Thoreau in den Sinn. Nach diesem Besichtigungsrundgang stellt sich dann allerdings heraus, dass er gar kein fertiges Instrument zu verkaufen hat, also geben wir eine Bestellung auf und drücken ihm 50 Dollars als Anzahlung in die Hand. Später setzen wir uns an den einfachen Holztisch, schliesslich hat Dimitri einen selbstgebrauten Himbeerwein mitgebracht, den es zu degustieren gilt.

Auf der Fahrt zurück nach Minsk teilen wir mit, dass wir uns bereits für Akana entschieden haben, der Staatliche Volkschor vom nächsten Tag wird ja wohl kaum in Frage kommen. Schliesslich erreichen wir die Hauptstadt über die breite, in beiden Richtungen 3-spurige „Präsidentenstrasse“, die zweimal am Tag komplett abgesperrt wird, wenn Präsident Lukaschenko jeweils am Morgen von seiner Residenz zum Regierungs-gebäude chauffiert wird und abends wieder zurück. Vor dem Hotel angekommen, steigen wir aus dem Auto und freuen uns, endlich etwas essen zu können, schon lange haben wir nicht mehr solchen Hunger gespürt. Aber Dimitri hat kein Erbarmen und erzählt uns Witz um Witz, während wir in der Kälte schlottern. Wir sind nach dem langen Tag hundemüde, und so zieht sich nach dem Essen im Panorama-Restaurant jeder auf sein Zimmer zurück.

 

Do, 1.10.

Beim Morgenessen erhalten wir Gesellschaft von einem Russen, der andauernd geräuschvoll den Rotz in die Nase hinaufzieht, den Tee schlürft und dann stöhnt. Auch sonst bevölkern einige andere seltsam unkultivierte Erscheinungen das Morgenbuffet, haarige Typen in Unterleibchen, kurzen Hosen und Bade-latschen. Das genaue Gegenstück zu den supermodisch aufgebrezelten jungen Frauen in hautengen Miniröcken und High-Heels, die das Stadtbild prägen. Nach dem Morgenessen kaufen wir ein paar Babuschkas, sich drehende Zwiebelturm-Spieldosen und eine Fellmütze.

Es gibt Probleme mit der Bezahlung der Hotelrechnung, wir können nicht mit der Kreditkarte bezahlen, weil das System ausgefallen ist. Später erfahren wir, dass im ganzen Land das gesamte Internet für einen halben Tag ausgefallen ist, weil der Techniker, der die Panne hätte reparieren können, gerade im Urlaub war. Alena erzählt noch ein paar weitere Müsterchen von  weissrussischem Schlendrian, z.B. daß die Kabinen des großen Riesenrades auf der falschen Seite montiert wurden, so daß der großartige Blick in die trostlose Peripherie statt ins Zentrum geht. 

Es ist kalt, windig und der Nieselregen machts auch nicht besser. Trotzdem ziehen wir wieder zu Fuss los, kaufen etwas Kleines in einer Papeterie und treffen zur vereinbarten Zeit bei der Oper ein. Angesagt ist eine Probe des Staatlichen Volkschores. Das sind etwa 15 InstrumentalistInnen und etwa 35 SängerInnen/TänzerInnen. Der Proberaum ist nicht sehr gross, und so stehen wir dicht vor dem stattlichen Ensemble, das uns mit der Wucht der Gesänge und der Musik ziemlich die Frisuren ruiniert. Wieder einmal fahren die Präsenz, die Kraft, die Energie voll ein. Der langjährige künstlerische Leiter des Ensembles Michal Drynevski strahlt eine menschenfreundliche Autorität aus und führt den Chor mit grosser Hingabe. Dass, wie wir später hören, jedes Mitglied des professionellen Ensembles im Monat nur umgerechnet Fr. 200.- verdient, stimmt uns ziemlich nachdenklich, zumal eine 1-Zimmer-Wohnung an der Peripherie von Minsk durchschnittlich etwa Fr. 300.- monatlich kostet. („Preise wie in Europa, Löhne wie in Afrika“, sagt Dimitri.) Es bleibt uns bis zum Schluss ein Rätsel, wie die Leute hier überhaupt überleben können.

Nach der Probe sitzen wir im kleinen Büro von Michal Drynevski zusammen, plötzlich zaubert er ein kleines Picknick aus dem Kühlschrank – Peperoni, Salami, Schweinespeck und Brot. Dazu Zubrovka, selbstgebrannten Kräuterschnaps. Da die Flasche nur noch ca. 3 dl enthält, glauben wir, glimpflich davonzukommen. Aber kaum haben wir das letzte Gläschen geleert, schwärmt er von seinem Slivovitz, öffnet einen Schrank und stellt eine 5-Liter-Flasche auf den Tisch... Auf unsere Abwehr-Versuche geht er gar nicht erst ein, schenkt immer wieder nach und fährt fort mit seinen Anekdoten und Witzen, so dass alles immer weicher und konturenloser wird und wir schliesslich die Gewissheit haben, unwiderruflich in Belarus angekommen zu sein.

Auf dem Rückweg ins Hotel ist unser Schritt nicht mehr so ausgreifend wie zuvor. Alena kommt mit und hilft bei der Bezahlung der Hotelrechnung. Später machen wir nochmals einen Spaziergang in die Stadt, um ein paar Mitbringsel einzukaufen. Es nieselt und ist kalt, wir finden nichts, kaufen schliesslich ein paar Pralinés und machen uns auf den Weg zurück zum Hotel. Unterwegs betreten wir kurz die Rote Kirche, wo uns ein von Frauen gesungener endlos wiederholter einstimmiger Choral für kurze Zeit aus dem trüben Regenwetter entführt. Am Abend im Hotel sind wir wieder einmal ziemlich müde, und während Marco nach dem Essen seine Administration und Mails erledigt, gelingt es mir nach verschiedenen Anläufen, eine Badehose zu kaufen, so dass ich mich im hoteleigenen Swimmingpool und in der Sauna von den Strapazen des Tages (Zubrovka! Slivovitz! Nieselregen!) erholen kann.

 

Fr, 2.10.

Wir treffen uns um 10.00 Uhr im Panorama-Restaurant mit den 3 Sängerinnen Irena, Rusia und Nadja von Akana, die wir für unser gemeinsames Projekt ausgewählt haben. Alena ist auch dabei, damit die Kommunikation nicht nur auf englisch über Rusia läuft. Akana haben einen Fotografen mitgebracht, der das Treffen ausführlich dokumentiert, Rusia zeichnet das ganze Gespräch auf und macht anschliessend noch ein Interview mit Marco. Es ist offensichtlich, dass ihnen das Projekt viel bedeutet und dass sie es auch medial dokumentieren werden. (Rusia arbeitet unter anderem auch als Journalistin für eine Radiostation.) Wir klären offene Fragen, erklären, wie wir uns die Zusammenarbeit vorstellen könnten und tauschen CDs, Daten, Adressen etc aus. Die von Irena mitgebrachten Noten können leider nicht kopiert werden, weil der Hotel-Kopierer offenbar seit 2 Wochen kaputt ist. Die Stimmung ist sehr gut, alle freuen sich auf das gemeinsame Projekt.

Dann heisst es packen, wir kramen die letzten, als Notproviant gedachten Schokoriegel hervor, um damit auch der Zimmerfrau eine kleine Freude zu machen, die den ganzen Tag hinter ihrem Pult auf der spärlich erleuchteten Etage sitzt.

Leonid und Dimitri bringen uns zum Flughafen, wir geben ihnen Schweizer Pralinés zum Abschied und je ein Messer, das sie uns aber zu einem symbolischen Preis abkaufen müssen, da das Schenken von Waffen hier ein Akt der Feindseligkeit bedeutet. Leonid schenkt uns je ein kleines Tonglöcklein und von Dimitri erhalten wir ein Buch über die Musikgeschichte Weissrusslands, an dem er 6 Jahre gearbeitet hat.

Wir versuchen erfolglos, die zuviel gewechselten Rubel im Duty-Free-Shop loszuwerden (die Hotelrechnung belief sich übrigens auf mehr als 2 Millionen Belarus-Rubel, das sind so die Relationen...) Ein letztes Kaviarbrötchen an der Flughafenbar, dann via Prag nach Zürich (wieder Trutenfleischbrötchen auf beiden Flügen), wo wir pünktlich in Kloten landen, genau so, wie UNZER PLAN es vorgesehen hat.

Albin Brun

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